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Billigkeitsregelung für Kalamitätsnutzungen in der Forstwirtschaft in 2018

2019-07-16 12:24

Das BMF hat mit Schreiben vom 29.04.2019[1] für die Besteuerung von Holznutzungen infolge höherer Gewalt (Kalamitätsnutzungen), die in 2018 entstanden sind, Billigkeitsregelungen erlassen.

1. Gesetzliche Ausgangslage

Nach § 34 Abs. 3 EStG können Kalamitätsnutzungen, die innerhalb des Nutzungssatzes anfallen, mit dem halben durchschnittlichen ESt-Satz und Kalamitätsnutzungen, die außerhalb des Nutzungssatzes anfallen, mit dem Viertel-Steuersatz besteuert werden.

2. Billigkeitsmaßnahme 1: Anwendung des Viertel-Steuersatzes

Im Hinblick auf die besonderen Forstschäden in 2018 können aus Billigkeitsgründen – abweichend von der gesetzlichen Regelung - die Einkünfte aus den Kalamitätsnutzungen in voller Höhe, also ab dem ersten Erntefestmeter, mit einem Viertel des durchschnittlichen ESt-Satzes besteuert werden, wenn die gesamte Schadensmenge das Doppelte des (individuellen oder pauschalen) Nutzungssatzes übersteigt.

Folgendes ist zu beachten:

  • Die Regelung gilt nur für Kalamitätsschäden, die in der Zeit vom 01.01. – 31.12.2018 entstanden sind[2] und die bis spätestens 31.03.2019 der zuständigen Finanzbehörde mitgeteilt worden sind[3].
  • Bei Betrieben mit einer Forstfläche von bis zu 50 ha wird regelmäßig ein pauschaler Nutzungssatz von 5 Erntefestmetern je Hektar Forstfläche angesetzt.
  • Beträgt die Kalamitätsholzmenge in 2018 nicht mehr als das Doppelte des Nutzungssatzes, kann die Billigkeitsregelung nicht in Anspruch genommen werden.

Beispiel

F (Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG) hatte in seinem Forstbetrieb (16 ha) in 2018 (WJ = KJ) einen Sturmschaden mit 180 fm Kalamitätsholz. Außerdem hat er in 2018 noch 20 fm normales Holz eingeschlagen. Die Holzerlöse betrugen 8.000 €.

Lösung

  • Die Einkünfte aus den Holznutzungen betragen 3.600 € (Holzerlöse 8.000 € ./. pauschale Betriebsausgaben nach § 51 EStDV mit 55% = 4.400 €).
  • Der (pauschale) Nutzungssatz beträgt (16 ha x 5 fm/ha =) 80 fm. Die gesamte Kalamitäts-holzmenge beträgt 180 fm, also mehr als das Doppelte des (pauschalen) Nutzungssatzes (160 fm). F kann daher die Billigkeitsregelung in Anspruch nehmen.
  • Der Gewinn aus der ordentlichen Holznutzung mit 360 € (20 fm von 200 fm = 10% von 3.600 €) unterliegt dem normalen Steuersatz.
  • Der Gewinn aus der Kalamitätsnutzung mit 3.240 € (180 fm von 200 fm = 90% von 3.600 €) kann in vollem Umfang mit dem Viertel-Steuersatz besteuert werden.

Abwandlung

Die Kalamitätsholzmenge betrug „nur“ 140 fm, die Holzmenge aus der normalen Nutzung 20 fm und die gesamten Holzerlöse betrugen 6.400 €. Dem entsprechend betragen die Einkünfte aus den Holznutzungen 2.880 € (Erlöse 6.400 € ./. 55% Betriebsausgaben 3.520 €).

Lösung

Der Kalamitätsschaden mit 140 fm übersteigt nicht das Doppelte des maßgebenden Nutzungs-satzes (160 fm). Die Billigkeitsregelung kann daher nicht in Anspruch genommen werden. Der Gewinn aus der Kalamitätsnutzung ist daher gem. § 34 Abs. 3 EStG wie folgt zu versteuern:

  • Ordentliche Holznutzung (20 fm/160 fm v. 2.880 € =) 360 € = Normalsteuersatz
  • Kalamitätsnutzung im Nutzungssatz (80 fm/160 fm v. 2.880 € =) 1.440 € = ½ Steuersatz
  • Kalamitätsnutzung außerhalb des NS (60 fm/160 fm v. 2.880 =) 1.080 € = ¼ Steuersatz

3.    Billigkeitsmaßnahme 2: Bewertung von Kalamitätsholzvorräten bei der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 EStG

Von der Aktivierung von eingeschlagenem und nicht verkauftem Kalamitätsholz, das auf Schadensereignissen beruht, die in der Zeit vom 01.01. – 31.12.2018 entstanden sind, kann ganz oder teilweise abgesehen werden, wenn die Schadholzmenge das Doppelte des maßgeblichen (individuellen oder pauschalen) Nutzungssatzes übersteigt.

 

Bei Fragen stehen Ihnen unser/e Mitarbeiter/innen in den Kanzleien selbstverständlich gerne zur Verfügung

 

[1] Az. IV C 7 – S-2291/19/10001.

[2] Betroffene WJ somit 2017/2018 und 2018/2019 bzw. WJ = KJ 2018.

[3] Südbayern: BayLfSt DSt München; Nordbayern: BayLfSt DSt Nürnberg; Sachsen: LfSt Chemnitz; Thüringen: FM Thüringen.

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